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Sonntag, 4. Juni 2023

Landpartie

Es gibt versteckte Perlen, die man selbst nach vielen Jahren erst entdeckt. Eine davon ist der saxstall. Im verschlafenen Pohrsdorf am Tharandter Wald ist der pensionierte Apotheker Eckard Schleiermacher Musiker, Sammler und Mäzen des Jazz. Besonders das Saxophon hat es ihm angetan. Eine beeindruckende Sammlung an Instrumenten und Devotionalien ist jede Woche Kulisse feinster Konzerte. Wenn es das Wetter erlaubt, tönen die Instrumente im Schatten des Walnussbaums im Hof. 

Für den Hofherren ist nach eigener Aussage das sein "Apothekerporsche". Völlig zu Recht ist er fünf Mal mit dem deutschen Preis für herausragende Spielstätten ausgezeichnet worden. Dabei bewirtet er auch noch seine Gäste. Nur eine Spende wünscht er stilecht ins Saxophon.
Der Weg dahin ist eigentlich eine Sache fürs Auto. Der Bus fährt selten und abends nach dem Konzert gar nicht mehr. Aber warum nicht Kultur mit Bewegung an frische Luft verbinden? Die Linie 7 bringt einen in bequeme Radentfernung zum Ziel (10km; Gompitzer Höhe aussteigen). Auf der Strecke streift man Kesselsdorf und kommt über Feldweg und Nebenstraßen in etwa 30 Minuten hin. 

Für den Rückweg bietet sich der direkte Weg hinab nach Tharandt an. Allerdings ist das eine größere Straße. Netter aber weiter ist der Bahndamm der ehemaligen Schmalspurbahn Kesselsdorf - Potschappel. 

Auf dem rollt es gemütlich hinab nach Freital. Ab da bringt einen die S-Bahn zurück nach Dresden. Wenn die Energie noch reicht, ist der Weg entlang der Weißeritz aber auch leicht machbar.

Steckenstart ab der Haltestelle der Linie 7. gpx-track gibt es auf Anfrage

Sonntag, 7. Mai 2023

Von Bad Muskau bis New York

Nein, weder das eine noch das andere war heute das Ziel. Pückler war das Thema und sein Alterswerk Park Branitz. 
Der war ein Maniker. Für seine Gärten verschuldete er sich bis zur Enteignung. Wenn er nicht Gärten gestaltete, reiste er durch die Welt. Bis in den Sudan. An allem Neuen war er interessiert. So taucht er auf den Grund der Themse oder nutzte Baumversetzwagen in seinem Park.

Auch war er bestens vernetzt. Kluge Köpfe seiner Zeit besuchen ihn auf seinem Landsitz.

Gärten in aller Welt, so auch der Central Park in Manhattan, wurden mit Bezug auf seine Ideen gestaltet. Er selbst wurde von anderen Fürsten als Gestalter engagiert.

Den Alterssitz Pücklers öffentlich zu erreichen ist eigentlich leicht, wenn auch nicht schnell. Eine Regionalbahn fährt von Dresden nach Cottbus. Dort gibt es einen Bus zum Park, der allerdings nur stündlich verkehrt. Ich hatte Pech durch Ersatzverkehr. Der bescherte mir aber auf den Rückweg noch einen Spaziergang durch Görlitz. Bahn.de fand, das sei der schnellste Rückweg.

Montag, 31. Oktober 2022

Warum mögen wir Altstädte?

Überall wo ich war, drängten sich die meisten Menschen in Gassen und engen Straßen von alten Städten. Die weiteren, großzügigen neueren Stadteile waren weniger beliebt. Warum? Warum fühlen wir uns offenbar in der Enge alter Städte wohl? Drei Thesen:

Wir sind soziale Wesen. Nähe ist in unserer DNA, gibt und Sicherheit. Wo andere sind, ist es wahrscheinlich gut, sicher, interessant.

Alte Städte sind eher klein, niedrig. Man kann hineinschauen. Das passt gut zu unserer eigenen Größe, zumindest besser als abweisende, scheinbar übermächtige Hochhäuser.

Strukturierte Fassaden und kleinteilige Straßenzüge beschäftigen das Auge. Auch das kommt unserer Natur näher. Eine Glasfassade, sei sie noch so groß, ist in Sekunden erfasst. Sie ist eine intellektuelle Unterforderung.

Ich glaube auch hier liegt die Ursache in unserer Herkunft und Prägung als Jäger und Sammler über Jahrtausende. Wir fühlen uns wohl, wenn unsere Sinne unsere Umgebung erfassen können und sie sicher wirkt. Das sollte moderne Stadtplanung und Architektur erkennen und respektieren.
Im Übrigen sind schmale Gassen auch ein gutes Mittel gegen Hitze. Das ist ein Grund mehr, vermeintlich Überkommenes neu zu bewerten und zu würdigen. Nichts spricht gegen eine zeitgenössige Interpretation von Stadt. Daß sie nicht mehr autogerecht sein muss, eröffnet die Gelegenheit, sie wieder menschengerecht zu gestalten.

Sonntag, 30. Oktober 2022

Korrumpel

Ich hatte ganz vergessen, wie das geht. Die Polizei hält dich an und du gibst ihnen die Papiere mit einem zufällig dazwischen klemmenden Scheinchen. Der Busfahrer bekommt Geld für's Gepäck, "vergisst" aber, dir den Beleg zu geben. Fahrgäste werden unterwegs gegen Cash mitgenommen - Fahrschein Fehlanzeige.

Selbst der ahnungsloseste Tourist kann leicht beobachten, wie in den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Bestechung und Betrug Alltag ist. Wenn die Busgesellschaft aber nur die Hälfte der tatsächlichen Fahrgäste sieht, ist der Zustand des Busses erklärlich.

Manchmal folgt eine kleine Strafe auf den Fuß und der Busfahrer muss unterwegs Wasser nachkippen. Der Motor dampfte.

Man kann nur erahnen, welches Maß an Misswirtschaft und Korruption auf höheren Ebenen herrscht. Solange Länder diese Geißel nicht abschütteln, wird es schwer als Gesellschaft voranzukommen. Und wenn das so tief im Alltag der einfachen Leute verankert ist, lässt sich nicht erkennen, wie diesem Teufelskreis zu entkommen ist.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Geburtshelfer des Kapitalismus

Sicherlich wusste er nicht was er da ins Rollen brachte. Als Cristoforo Kolombo sich gen Westen aufmachte, suchte er nur einen Seeweg nach Indien. Das Ergebnis war aber die Geburt des modernen Kapitalismus. Ein lukrativer Dreieckshandel begann. Waren wurden nach Afrika verkauft, Menschen als Sklaven nach Amerika verschifft und von dort kam Baumwolle und anderes zurück nach Europa. Die Ausbeutung war total. Seine Heimatstadt Genua profitiere reichlich. Schiffsbau, Handel und Finanzierung gebar die ersten Oligarchen. Unfassbarer Reichtum ließ einen Palast an anderen entstehen. Die Könige des Kapitalismus lebten wie wie die echten.

Kein Prunk war zu viel. Die Paläste von damals sind wie die Superjachten von heute. 
Die Stadt zog große Geister an. Rubens malte, Davinci auch. Eine ganze Kolonie an malenden Holländern entstand.

Jan Wildens zeigt eine zugefrorene Bucht von Genua. Das scheint es wirklich gegeben zu haben in der sogenannten kleinen Eiszeit.
Die Stadt selbst ist sehr sehenswert, aber auch anstrengend wie wohl alle italienischen Großstädte. 

Die sehr engen Gassen sind nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht für jeden...

Montag, 24. Oktober 2022

Querformat

Hier kommt ein Beitrag, der nicht unmittelbar mit meiner Reise zu tun hat. Es betrifft aber eine von mir häufig gemachte Beobachtung. Nicht selten sehe ich in Restaurants, den Zug oder anderswo Kinder, die mit Filmchen ruhiggestellt werden. Gerne begleitet von einem soft drink. Den Eltern kommt offenbar nicht die Idee, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Ich frage mich dann, ob ich einfach zu alt bin, um das in Ordnung zu finden. Als ich Kind war, gab es Bücher. Die Elektronik macht Ablenkung leicht. Was macht das mit Kindern? Wie läuft Frühstück und Abendessen bei diesen Familien? Sind Bildschirme die Babysitter unserer Zeit? Welche Werte bekommt ein Kind, wenn es statt Teil der Gemeinschaft zu sein, vor einem Bildschirm geparkt wird? Und welches Verhältnis haben die Eltern zu ihrem Kind? Ich befürchte, es wächst eine Generation von Wischexperten mit massiven sozialen Defiziten heran.

Das sind natürlich nur Mutmaßungen eines Laien. Ich glaube aber einfach nicht, daß das gut ist. 

Bei älteren Kindern und Jugendlichen beobachte ich, daß sie in der Bedienung der Endgeräte und in den sogenannten sozialen Medien fit sind. Sie erkennen das Internet aber nicht als gigantische Bibliothek. Geschweige denn interessieren sie sich für die hinter den Geräten steckende Technik. Sie sind schlicht Konsumenten. 
Ich vergleiche das Internet gerne mit einem großen Zeitungskiosk. Man hat die freie Wahl, ob man Die Bunte oder Die Zeit wählt.

Freitag, 21. Oktober 2022

Brotentwicklungsländer

Was vermisst man an der Heimat, wenn man länger weg ist. Für mich sind das vor allem Brot und Wald.
Erstes ist außerhalb des deutschen Sprachraums nie wirklich über ein gewisses Anfängerstadium hinausgekommen. Ja, ein frisches Baguette ist lecker, aber ein gutes dunkles Brot besser. Nicht ohne Grund ist dass deutsche Brot ein Kulturgut von Weltrang.

Ganz praktisch und aktuell kann übrigens jeder mit helfen, dieses Kulturgut zu erhalten. Geht zum Bäcker statt Discounter für das tägliche Brot!

Südlich der Alpen ist außerdem Wald Mangelware. Angeblich haben die Seefahrernationen und -städte quasi ganz Südeuropa für ihre Schiffe abgeholzt. Allein in Montenegro gibt es noch dichte Urwälder. Da sieht man, welche Natur Südeuropa verloren gegangen ist. Mediterrane Ansammlungen von dornigen Büschen und Bäumchen gehen nach meiner Vorstellung nicht als Wald durch.

Da freue ich mich schon auf einen Spaziergang durch die Heide im November bei vier Grad über Null und Nieselregen;-)

Donnerstag, 20. Oktober 2022

Die Macht der Erzählung

Reist man durch die Welt, sind ein Großteil der sehenswerten Gebäude Kirchen und Paläste. Die Herrscher der Vergangenheit hatten das Geld und die Macht, sich die Zeiten überdauernde Häuser bauen zu lassen.

Ein herausragendes Beispiel ist die Kapelle des Normannenkönigs in Palermo. Goldintarsien überall. Das beeindruckt. Wie sehr müssen majestätische Kirchen erst vor Jahrhunderten auf einfache Leute gewirkt haben, die zum Wohnen eine Kate hatten. Und am Sonntag hat der Pfarrer ihnen erklärt, daß das Gottes Wille sei. Der König darf bestimmen und in Prunk leben, weil Gott das so will. Die Macht der Erzählung wirkt.
Jetzt mag ein Atheist überlegen lächelnd sagen, er glaube ja solchen Geschichten nicht. Ich wette, jeder Mensch glaubt. Kostprobe gefällig? 
Was ist Geld? Bunte Münzen und bedruckte Zettel. Du glaubst an den Wert. Nur weil viele das glauben, wird ihm überhaupt ein Wert zugemessen.
Dein Land. Zeige mir mal dein Land! Es ist vielleicht als bedruckte Seite in einem Atlas abgebildet. Vielleicht hast jemand einen Grenzstein eingegraben. Echt ist nur der Stein und die Druckertinte auf Papier. Das Land ist eine Geschichte.
Noch einer?
Gesetze. Wie das letzte Beispiel sind die nichts als Druckerschwärze auf Papier. Erst weil viele danach handeln, werden die eine Art Wirklichkeit.
Erzählungen, man kann auch Geschichten, Vereinbarung oder Religion dazu sagen, sind sehr machtvolle Gedanken einer großen Gruppe. Die lassen uns Kirchen bauen, Kriege führen und Bankkonten eröffnen. Eigentlich sind die der Trick, um in großen Gemeinschaften zu leben. 
Ich bevorzuge das Grundgesetz und die Schlussakte von Helsinki als gemeinsame Erzählungen. Daß der liebe Gott bestimmt hat, daß einer König ist und der Rest bitte auf das Jenseits warten soll, mag Jahrtausende funktioniert haben. Jetzt haben wir besseres. Entsprechend sollten wir die historischen Bauten einordnen. Der eine lebte in gigantischem Wohlstand und ließ diese Paläste bauen während die große Masse dafür buckelte und in übler Armut vegetierte.
Eine Erzählung, der ich Erfolg wünsche, ist die der europäischen Union. Die Idee von Verständigung in diesem von Kriegen geformten Kontinent verdient, eine mächtige Geschichte zu werden. Wir sollten ihr Kathedralen bauen.

Das Konzept der mächtigen Erzählung entwickelte übrigens der israelische Historiker Yuval Noah Harari. Sein Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit sei jedem Interessieren empfohlen.

Mittwoch, 19. Oktober 2022

f16

Hat man Der Pate gesehen, flößt einem der Name der Stadt schon etwas Respekt ein. Palermo. 
Der erste Eindruck wenn einen der Zug in die Innenstadt spuckt passt. Laut, absurder Straßenverkehr, Hitze, Dreck und Prunk. Darauf sollte man sich einlassen, sonst ist man hier falsch. Die Enge und Hektik der Stadt gibt selbst den beeindruckendsten Bauten kaum Platz. Die Brennweite meines Objektivs ist nie klein genug.

Finstere Gassen führen zu Meisterwerken Arabo-Normannischer Stilhochzeit. 

Wenige Meter vom zentralen Platz der Stadt sind Paläste den Verfall preisgegeben. Und die Straßenparty geht bis in die Morgenstunden. An Schlaf ohne Ohropax ist nicht zu denken.

Dienstag, 18. Oktober 2022

Was nicht im Reiseführer steht

Verstörend ist die hier übliche Art, sich seines Abfalls zu entledigen. Selbst mitten in den Orten sieht man Berge von Zivilisationsmüll.

Mir hat mal jemand erzählt, daß naturnahe Völker Plastik wegwerfen wie Apfelschalen, da sie nicht wissen, daß es nicht verrottet. Ich nehme aber selbst dem ahnungslosesten Zeitgenossen nicht ab, daß er das nicht mittlerweile erkannt hat. Welches Geistes Kind sind Leute, die ihre Abfälle direkt hinter's Haus werfen? Die Höfe und Gärten sind gepflegt. Alles andere ist Müllhalde. Sowas habe ich schon in Griechenland und Portugal beobachtet. Begreifen kann ich es nicht. 

Dabei ist gerade Italien voller Ästhetik. Liebevoll gestaltete Häuser, herausgeputzte Menschen, geschwungene Vespas. Und dazwischen Müllberge. Das passt nicht zusammen.

In einer Studie wurde für Deutschland herausgefunden, daß es eher junge Menschen sind, die ihre Dönerverpackung irgendwo fallen lassen. Fehlende Kinderstube trägt wohl auch bei. Hier liegen aber ganze Müllsäcke. Selbst wenn es nur wenige schwarze Schafe sind, die das machen, scheint es eine allgemeine Akzeptanz zu geben. Offensichtlich stört es niemanden. Wahrscheinlich habe ich einfach eine falsche Vorstellungen von schön.


Montag, 17. Oktober 2022

Salve!

Sei gesund. Was für ein schöner Gruß, den man hier allenthalben hört. So hat es schon getönt als die Römer einander trafen.
Heute bin ich noch weiter gegangen und zum Tal der Tempel bei Agrigent gewandert. Das einstige Akragas. Einst Gründung ausgewanderter Griechen, ist es heute eines der bedeutendsten Überbleibsel ihrer Bautätigkeit auf der Insel. Einige Tempel haben die Jahrtausende fast unbeschadet überlebt, will sie als Kirchen recycelt wurden.

Sie sind, sagt der Reiseführer, wegen Überbevölkerung aus Rhodos ausgewandert. Sizilien war da keineswegs unbesiedelt. Die Einheimischen wurden verjagt. Man hatte ja überlegene Kriegstechnik. Geschichte geht im Kreis.

Da der ÖPNV zu wünschen übrig ließ, habe ich einen netten Weg durch die sizilianische Botanik da hin gefunden. 

Der Pfad ist nicht überall leicht auszumachen. Lange Hosen sind empfehlenswert, den das Gebüsch ist dornig. Wer Interesse hat, dem kann ich den GPX-Pfad zukommen lassen. Und wie immer: Google Maps ist keine App für's wandern!
Für den Rückweg bei Mittagshitze habe ich klassisch den Daumen an der Landstraße rausgehalten. Keine fünf Minuten später saß ich im Fiat Uno bei Tonio, der mir auf Deutsch (Dortmund) ungefragt erklärte, daß die Italiener zu wild Auto fahren. Salve!

Freitag, 14. Oktober 2022

South of Africa

Mein wohl südlichster Ort meiner Reise ist erreicht. Er heißt Noto und liegt im Süden Siziliens und damit südlicher als Tunis. Daß man nicht weit von Afrika entfernt ist, merkt man aber nur bei genauem Hinschauen.

Die Ocean Viking wird von Ärzte ohne Grenzen zur Seenotrettung im Mittelmeer eingesetzt und liegt hier gerade neben einem Kreuzfahrtschiff in Syracuse. Archimedes guckt sich das erstaunt an.

Kurios ist das Barockdorf Noto und seine Nachbarn. Nach einem verheerenden Erdbeben 1693 baute man die Orte im Stil der Zeit wieder auf. Sehenswert.
War das barocke Dubrovnik noch enttäuschender Einheitsbrei, so erstaunt die Kreativität sizilianischer Architekten.

Ich wünschte, wir würden unsere Städte auch so selbstbewusst bauen, wie die Menschen vergangener Epochen. Die haben selbstverständlich das neueste und modernste umgesetz, was ging. Wir dagegen bauen Pflaster wieder ein, weil es anno dazumal so war. Ganz offenbar fehlt es uns an Selbstbewusstsein. Wie hätten die Barockarchitekten wohl entschieden, hätten ihnen unsere Technologien und Werkstoffe zur Verfügung gestanden?

Mittwoch, 12. Oktober 2022

béton brut

Manchmal hat die deutsche Sprache Wortfindungsstörungen. Wie kann man beispielsweise etwas so nettes, das im Englischen nipple heißt, Brustwarze nennen? Iii. So ein Fehlgriff gab es auch in der Architektur. Aus béton brut im Französischen wurde nicht etwa "roher Beton" oder "sichtbarer Beton" sondern Brutalismus. Die kollektive Wortfindung hat versagt. Die graue Erscheinung rohen Betons wird abgestempelt als brutal. Und man glaube es, den die Entwürfe sind oft wenig elegant. 
Unterwegs sehe ich einige Beispiele dieses mutigen Aufbruchs der Architektur. Im ehemaligen Jugoslawien hab es offenbar Grüßen Bedarf an repräsentativen Bauten.


An vielen nagt der Zahn der Zeit unterstützt von einem Mangel an Zuwendung, wie hier an Rathaus von Kolasin.
Aber es gibt auch selbstbewusste Bauten, die gut in Schuss sind. So die Wallfahrtskirche in Syracuse auf Sizilien.

Sonntag, 9. Oktober 2022

Von Jägern und Sammlern

Vorbemerkung: Das ist ein längerer Text, der nur wenig mit meiner Reise zu tun hat. Die bietet aber Anlass und Gelegenheit, ihn zu schreiben. 

"Treibe Sport!", "Iss viel Gemüse!", "Trinke weniger Alkohol!" - die und noch viele andere Ratschläge bekommt man, wenn man danach fragt, wie man gesund leben sollte. Warum? Warum muss man sich überhaupt diese Frage stellen? Kein anderes Lebewesen zieht in Betracht sein Lebenswandel zu ändern, um gesünder zu sein. Wahrscheinlich leben sie einfach richtig.
Eine Antwort kann lauten: Unser Körper und unser Geist passen nicht zu unserem Lebenswandel. Schaut man sich evolutionäre Veränderungen an, so vollziehen sie sich über Äonen. Deshalb glaubten frühere Kulturen an eine statisch geschaffene Welt. Unser Horizont reicht einfach nicht aus, evolutionäre Prozesse zu erkennen. Erst unser Intellekt erlaubt es, diese Zusammenhänge zu erkennen.
Die Biologie lässt sich Zeit. Wir sind keine Homo Autobilensis, keine Homo Großstadtensis. Wir sind biologisch nach wie vor höchstens Jäger und Sammler. Das haben wir Jahrtausende gemacht. Dazu passen perfekt die eingangs erwähnten modernen Gesundheitstips. "Lebe wie eine Jäger und Sammler!" ließen sie sich zusammenfassen.
Versteht man erst einmal diese Diskrepanz, ergeben sich Antworten auf viele aktuelle Fragen. Ein heute so genanntes Vorurteil ist, zum Beispiel, für den Jäger die in Sekundenbruchteilen zu fällende Entscheidung, ob er im Busch Freund oder Feind gegenüber steht. Auch mußte er seine Umgebung in seiner Lebensspanne gut kennen. Welche Auswirkungen sein Holzfällen und Verbrennen aus den Meeresspiegel hat, war unwichtig.
Wir sind also gemacht für das Verstehen unmittelbarer Ursache-Wirkung Bezüge. Das Begreifen langfristiger Zusammenhänge ist in unserer Biologie nicht vorhanden. Es war schlicht nicht nötig für Erfolg.
Unser großes Hirn ist nun aber Fluch und Segen zugleich. Es ermöglicht uns, in - verglichen mit anderen Lebewesen - umfassendem Überfluss zu leben. Es lässt aber auch zu, die langfristigen Folgen unseres Handelns zu erkennen... wenn wir uns bemühen.
Manche vergleichen die Menschheit mit einem Parasiten, der die Erde befallen hat. Übliche Parasiten sind doof und bringen ihren Wirt um und gehen damit selbst drauf. Das klappt, weil es genug Wirte gibt. Wir haben nur eine Erde. Wenn wir diesen Wirt zugrunde richten, sind wir auch am Ende. Übrigens: Das Bewahren der Erde sollte nicht Umweltschutz heißen. Die Umwelt wird uns lächelnd überleben. Es ist viel mehr der Schutz unserer Existenz, unserer Zivilisation. Menschheitsschutz wäre wohl ein geeigneterer Begriff.
Wozu erzähle ich das? Zu Hause wie unterwegs erlebe ich, wie wir offenbar außer Stande sind, die Folgen unseres Handelns zu verstehen. Wie oben erklärt, erschließt sich vieles nur Intellektuell. Unmittelbarer sieht, schmeckt und riecht man Klimawandel nicht. Warum man durch Handy mit anderen Menschen sprechen kann, versteht (fast) niemand wirklich. Wir Jäger und Sammler begreifen (auch im Wortsinn) das Unmittelbare, nicht das Langfristige, Ferne.
Verschärfend hinzu kommt, daß jeder für sich gute Gründe findet, die möglicherweise verstandenen langfristigen Folgen seines Handelns zu entschuldigen. "Die Anderen machen es doch auch." "Mein Handeln ändert doch nichts an großen ganzen." "Das ist aber zu umständlich." NIMBY ist eine dazu passende Wortschöpfung. Das ist unsere Urmenschenbiologie. Die kulturell gelernte Überformung reicht nicht, um unser Handeln fundamental zu beeinflussen. Und wir sind zu dumm. Der Busfahrer lässt beim Parken den Motor laufen. Er zahlt den Sprit ja nicht. Das Thermostat steht auf 5. Der Besitzer weiß nicht, was eine Regelung ist. Der Büromensch "lüftet" weil er glaubt, kalte Luft sei frischer als die vorgewärmte aus der Lüftungsanlage.
Was tun?
Aus den schrecklich schiefgegangenen Gesellschaftsexperimenten des vergangenen Jahrhunderts haben wir gelernt, daß sich der gute Mensch nicht züchten lässt. "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen." ist eine Illusion. (Ref.) Gutes nachhaltiges Handeln ist Ehrenwert, wird aber die Welt nicht retten. Umerziehung ist keine Option. Was funktioniert dann? Markt und Regeln. Gesetze regeln erfolgreich unser Zusammenleben. Manche Politiker diffamieren Regeln als Verbote. Der facto sind Gesetze Verbotssammlungen. Es ist sogar alles erlaubt, was nicht per Gesetz verboten ist. Das erst ermöglicht ein friedvolles Miteinander. 
Es ist verboten, bei Rot über die Kreuzung zu fahren. Es ist verboten, jemandem etwas wegzunehmen. Es ist verboten, einfach im Wald einen Baum zu fällen. Erst diese vereinbarten Verbote ermöglichen Freiheit miteinander.
Das andere, was funktioniert, ist der Markt. Messe etwas einen Wert bei und es wird sich ein Markt bilden. Um unsere Erde zu schützen müssen wir ihren Ressourcen einen Wert zumessen. Ein CO2-Zerifikat ist ein gutes Werkzeug. Nur muss es teuer genug sein, was es aktuell nach Ansicht vieler Experten nicht ist. Du willst ein Kernkraftwerk betreiben? Gerne. Aber versichere es auch. Geht nicht. Keine Versicherung gegen die Folgen eines Unfalls wäre wirschaftlich. Und das Endlager bezahlst du auch! Schon ist Kernkraft vom Markt.
Die kluge Verknüpfung von durch Verbote eingehegtem Markt ist ein Weg, den Jäger und Sammler verstehen können. Dabei müssen irreversible Eingriffe durch Verbote verhindert werden. So ist ein gerodeter Regenwald auf sehr lange Zeit verloren. Da dürften nur einzelne Bäume geerntet werden. Übrigens, schon in der Bronzezeit haben Menschen die Umwelt kaputt gemacht. 

Soweit die heere Theorie. Die Wirklichkeit ist leider viel komplizierter. Staaten, Unternehmen, Lobbyisten haben eigene Agenden. Zusammen mit dem unterschiedlichen Entwicklungsständen der Länder ergibt sich große Blockaden. Warum auch sollten andere Länder ihre Urwälder nicht roden? Wir, die Europäer haben es auch gemacht. Vor Jahrhunderten. Und mit dem daraus gebauten Schiffen haben wird dann die Welt unterjocht. Aber das ist ein anderes Thema.
Große Wirtschaftsräume wie die EU können aber zum Beispiel importiere CO2-Ausstöße besteuern. Das wird auch gemacht und geht gut bei Kohle oder Stahl. Aber wie viel CO2-Ausstoß steckt in einem Handy, importiert aus China? Es ist kompliziert.
Ein Ansatz, etwas Vergleichbarkeit oder Gerechtigkeit einzuführen ist die Idee des CO2-Gesamtbudgets. Dabei werden alle historischen Emmisionen eines Landes addiert. Der fette Westen hat danach schon einen Großteil seines Budgets verbraucht. Nach diesem Maß müssten diese Länder bei der Decarbonisierung ihrer Gesellschaft voran gehen. Die können das auch technologisch wie wirtschaftlich. Deutschland zum Beispiel müsste danach 2030 bei Null sein. Bei aktueller Politik ist das leider illusorisch. 

Bei meiner Reise durch Europa habe ich leider einen sehr ernüchternden Eindruck gewonnen. Südeuropa ist gesegnet mit Sonne. Auch Wind gibt es ab dem Küsten und in den Gebirgen reichlich. Beides liegt brach. Windräder haben Seltenheitswert. Solarmodule sieht man so gut wie nirgends. Dabei hat beispielsweise Sizilien fünfzig Prozent mehr Sonne als Deutschland. Konventionelle Energie ist ganz offensichtlich noch zu billig. So billig, daß es wirtschaftlich egal ist, ob der Busfahrer den Motor abstellt. Der Markt richtet es nicht. Also brauchen wir Regeln und Gesetze, die auch durchgesetzt werden.
Und was ist mit dem importierten Handy? Ahnlich zum Lieferkettengesetz könnte man die Importeure verpflichten, ein CO2-Budget ihrer Waren anzugeben. Dem kann man dann ein Preisschild umhängen. Ein wünschenswerter Nebeneffekt teurer Energie ist übrigens, daß regionale Produkte und Dienstleistungen relativ günstiger werden. Dann kann vielleicht der Apfel aus Borthen wieder mit dem aus Neuseeland preislich mithalten.
Windräder in Kroatien - ein seltener Anblick 

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Baggern

Reist man als mit offenen Augen durch den Balkan, fallen nicht nur die vielen dauerfilmenden Touristen aus China auf, sondern auch behelmte Arbeiter oder tanzende Damen aus dem Reich der Mitte.

Ganz offensichtlich baggert China kräftig an seiner neuen Seidenstraße auf dem Balkan. Wenn das schon einem Reisenden auffällt, wie viel macht die rote Diktatur dann hinter den Kulissen? 
Das Zentrum Tiranas ist voller chinesischer Fahnen, ein chinesisches Kulturprogramm läuft - mit kostenlosem Essen. Wessen Brot ich ess' dessen Lied ich sing'. Ist es so simpel? Scheinbar.

Ganz gezielt sind die da an Start, wo Demokratien oder Wirtschaft noch schwach sind. Sie kauften griechische Häfen während der Krise. Helfen bei das Sanierung wichtiger Bahnstrecken in Osteuropa. Dabei kommen sie nicht als Samariter. Über Kredite machen sie klamme Staaten abhängig. Eine umfassende Recherche dazu findet man im Tagesspiegel.
Die EU sollte hier nicht klein beigeben. Zugegeben, es ist ein dickes Brett, westliche Werte als Bedingung schmackhaft zu machen. China schert sich keinen Deut um Menschenrechte oder Sozialstandards. Aber ihnen deshalb das Feld zu überlassen, kann langfristig uns selbst unsere Werte rauben.

Ein paar Mülltonnen sponsorn (wie hier in den Bergen Montenegros gesehen) und EU-Betrittsversprechen Jahrzehnte zu stecken ist sicher nicht der richtige Weg.

Dienstag, 4. Oktober 2022

Mutter Theresa und die Autowäsche

Die vielleicht berühmteste Tochter des Landes darf dem Flughafen der Hauptstadt ihren Namen geben. Weithin bekannt dürfte auch Envar Hoxha sein. Gegensätzlicher können Menschen kaum sein. Richtig, von Albanien ist die Rede. Das Jahrzehnte in Steinzeitstalinismus isolierte Land ist mächtig im Aufbruch. Der passiert im Benz und auf den Fahrrad. Ja, in Albanien wird Fahrrad gefahren. Und Mercedes.


Das Land hat mit die jüngste Bevölkerung in Europa. Die Hauptstadt Tirana ist bunt und sehr lebendig. Und eben voller Fahrradwege, die auch benutzt werden. Selbst auf den Landstraßen sieht man oft mutige Pedalritter, die der südländisch dynamischen Kraftfahrerei trotzen.

Wer auf dem Bild rote chinesische Fahnen sieht, liegt richtig. Dazu später mehr.
Dass ein Aufbruch im eigenen Kraftwagen passiert, ist ja nicht neu. Beachtlich ist die Anzahl der Waschgelegenheiten im Lande. Der Stolz will gepflegt sein. 
In der Hauptstadt wird gewaltig gebaut. Bunte Fassaden sind längst nicht mehr das alleinige Aushängeschild.


Tradition und Moderne kommen sich hier sehr nahe, wenn die Rufe der Muezzin sich mit dem Donnern der Presslufthämmer mischt.

Für Reisende ist Albanien ein sehr preiswertes Vergnügen. Die Lebensart in einer Mischung aus Balkan-Style und dem Espresso-Eis-Pizza Dreiklangs der langjährigen Besatzer.
Für Zugfahrende gibt es hier aber leider nichts zu holen. Der ehemalige Hauptbahnhof ist abgerissen. Der Bus ist das Mittel der Wahl. Allerdings ist selbst der Nahverkehr der Hauptstadt ein Rätsel. Es gibt weder Fahrpläne noch brauchbare Infos zu Routen. Durchfragen ist Stand der Technik. Auf eigene Faust das Land zu erkunden ist anstrengend. Entweder am Fahrplan oder (als Selbstfahrer) im üblichen Fahrstil. Trotzdem: Daumen hoch für Albanien. Dicke Empfehlung.

Dienstag, 27. September 2022

overrated, overtouristed

Dubrovnik: Eine Neubausiedlung des Barock.
Das steht in keinem Reiseführer, aber es ist mein Eindruck von der Stadt. Eine von einer dicken Mauer eingehüllte Altstadt, die von Touristenmassen heimgesucht wird.
Dabei stammen die meisten Bauten aus einem Wiederaufbau nach einem Erdbeben 1667. 
Das Bemühen nach dem Kroatienkrieg, die Zerstörungen im UNESCO-Weltkulturerbe zu beheben, hat sein übriges getan. Klar, es gibt ein paar tolle Bauten in der einst reichen Handelsstadt, die Lage immerhin ist eins A. 
Dubrovnik und paddelnde TouristenDubrovnik wird wie quasi alle Küstenstädte von Touristenmassen überrannt. Die gigantischen Kreuzfahrtschiffe rammen sich förmlich in die Orte, kippen ihre Fracht in die Gassen, die dann höchstens einen Kaffee trinken. Gegessen und geschlafen wird ja auf den Schiff. Dazu hängen deren Abgase über den Buchten fest. 
Eine zweite Problemgruppe sind Billigflug-Jugendliche mit fehlender Kinderstube. Chillen am Strand, Party in der Stadt und Kotzen im Park. Dieser Triathlon ist ein Fluch.
Doch woanders ist es auch nett und die Kugel Eis kostet nicht drei Euro.

Sonntag, 25. September 2022

Nichts ist schwieriger als gut zu befehlen.

So lautet ein Zitat von Diokletian, einst römischer Kaiser. Der ließ sich an der Adria einen Palast für den Ruhestand bauen. Daraus ist Split entstanden.

Er war übrigens Roms einziger Kaiser, der je freiwillig den Posten geräumt hat. Auch sonst hat er einige kluge Dinge getan. Er hat seine Macht geteilt und sich so Ursupatoren vom Leib gehalten. Die Nebenkaiser bekamen gewisse Landesteile zur Verwaltung. Dadurch ließ sich das Riesenreich besser steuern. Auch hat er eine Münz- und eine Verwaltungsreform durchgesetzt.
Ein kluger Diktator?
Das große Interesse an der Beisetzung einer neulich verstorbenen britischen Greisin lässt vermuten, daß die Sehnsucht nach einem klugen und gütigen Monarchen weit verbreitet ist.
Und ehrlich gesagt, sind Diktaturen ein Erfolgsmodell. Jedes Schiff unterliegt den Diktat des Kapitäns. Die allermeisten Unternehmen sind keine Demokratien. Große Organisationen hierarchisch zu führen funktioniert. Insbesondere wenn Entscheidungen schnell fallen müssen, sind Demokratien behäbig. Und viele der brennenden Themen dulden kein Zögern. Beispiele für kluge Diktaturen sind z. B. Singapur. Die Stadt geht Zukunftsthemen radikal an. Auch gibt es dort fast nur Sozialwohnungen. Autos sind exorbitant teuer. Die Stadt wird konsequent begrünt und Abwässer fast einhundertprozentig wieder aufbereitet. In Peking wurden benzinbetriebene Motorroller einfach verboten.
Ohne Frage sind freie Gesellschaften für den einzelnen nett. Ob sie aber langfristig erfolgreich sind, steht auf einem anderen Blatt.
Und wenn ich sehe, was wir für ein Land von NIMBYs geworden sind, ist es wohl schlecht bestellt um unsere Handlungsfähigkeit.
Dass es besser geht, zeigen die Schweiz und Norwegen. Beides fraglos Demokratien, wo aber unangenehme Entscheidungen möglich sind.
Ich nenne das mal Gesellschaftsdarwinismus. Stellt man sich die Staaten als Varianten eines Organismus vor, wird langfristig der überleben, der sich der Umwelt anpassen kann. Die anderen scheitern. Diese Anpassungsfähigkeit hängt leider nicht zwingend von Menschenrechten oder Wohlstand ab. Der Spagat zwischen schneller Anpassung und demokratischer Verständigung ist schwer. Aber wir müssen ihn wagen. Der im Westen gelebte Hyperindividualismus hilft jedenfalls nicht, eine Gesellschaft erfolgreich zu machen.

Mittwoch, 21. September 2022

Hello, Dictator

So begrüßte vor Jahren der damalige EU Ratsvorsitzende Jean Claude Juncker den ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orban.
Daran musste ich denken, als ich einen halben Tag durch Budapest schlenderte. Eine richtige Großstadt. Irgendwie zu groß für das kleine Völkchen der Ungarn. Allein das Parlamentsgebäude lässt Westminster bescheiden wirken.
Immerhin, dachte ich, weht daran eine ukrainische Fahne. Aber nein, genau besehen (und Google lense befragend) handelt es sich um die Flagge des zu Rumänien gehörenden Szeklerlands. Dort lebt eine ungarische Minderheit.
Man stelle sich vor, am Berliner Reichstag würde die Flagge Ostpreußens gehisst. Unvorstellbar. 
Hoffentlich bleibt Urban nur Dictator und wird nicht auch noch Revanchist und Aggressor.  Einen deutlichen Warnschuss hat er ja gerade aus Brüssel bekommen.

Bei den Vandalen

Bratislava ist schön. Und kaputt. Das Museum erzählt und von ewigem Kampf um das Örtchen zwischen Donau, Puszta und Karpaten. Kelten wohnten hier. Römer, Tartaren, Mongolen, Deutsche, Juden und Slawen, um nur einige zu nennen, kamen, kämpften und verschwanden. Die Stadt, die Burg, das Land brannten unzählige Male und wurden ebenso oft wieder aufgebaut. Und dann kamen die Kommunisten und asphaltierten die Zukunft mitten durch die Altstadt.
Die rissen dafür 1969 die bisher verschonte Synagoge und teile der Altstadt ab. Es gab ja keine Gemeinde mehr...
Wahrscheinlich tut man den einst in der Gegend beheimateten Vandalen Unrecht, diesen -ismus nach ihnen zu benennen. Es war der Kommun- oder Modern-.
Nun gibt es Pläne, die Straße zu überdachen und einen Park anzulegen. Baustart ist 2023. Immerhin.